Stürmische Nächte

Da sitze ich mal wieder nachts in meinem Bett und kann nicht schlafen.. Ereignisreiche Zeiten momentan, ich sag es Euch!

Ich sitze hier gerade an meinem zukünftigen Wohnort im Bett und draußen stürmt es (mal wieder). Eigentlich stürmt es seit Tagen immer wieder und bei jedem stärkeren Sturm kann ich einfach nicht schlafen, wiegelt er meine inneren Stürme doch immer wieder mit auf. Und innere Stürme habe ich aktuell leider reichlich.
Manchmal wünschte ich, ich könnte für eine Weile einfach die Zeit anhalten. Kennt Ihr das Gefühl, wenn die Zeit wie ein Sturm über Euch hinwegfegt und Ihr nur noch damit kämpft, nicht umzufallen oder weggeweht zu werden? So fühle ich mich derzeit. Ansich bewegt sich gerade viel, auch Gutes – aber es ist mir soooo zu viel.

Eigentlich kenne ich mich ja inzwischen sehr gut und weiß wie ich bei Veränderungen vorgehen muss, damit es mich nicht von den Füßen reißt. Nämlich langsam und bedacht, ein Schritt nach dem anderen. Aber das Leben spielt halt dann doch nicht immer so mit wie man es gerne hätte.
Aber bevor ich nun auch hier schreibenderweise ins chaotische Durcheinander gerate, mal Schritt für Schritt!

Ich hole mal ein bisschen über meine Vergangenheit aus, um meine aktuelle Problematik vielleicht ein bisschen besser begreiflich machen zu können. Könnte etwas länger werden 😉

 

Ich bin mit 18 von zuhause ausgezogen mit vielen persönlichen Problemen und auf der Suche nach einem neuen Leben in dem alles besser wird. Und wie das immer so ist – das neue Leben war erstmal toll, aber die Probleme natürlich nicht weg. Im Nachhinein weiß ich ehrlich gesagt kaum mehr, wie ich die folgenden Jahre überstanden habe mit all dem Mist, den ich auf meinem Weg mitgenommen habe, aber ich habe es geschafft. Und das allerwichtigste: Ich habe mich zum ersten Mal in meinem Leben wirklich sicher gefühlt, innerlich wie äußerlich. Meine Ängste bestimmten nicht mehr alles und ich kam ganz gut zurecht.


Aber life is a bitch – es schickte mich nochmals durch eine weitere Hölle, die mir nahezu alles nahm. Seitdem gelang es mir nie wieder, dieses wundervolle Gefühl von Sicherheit so komplett zu erreichen. Es scheint in meinem Inneren auf ewig ausgelöscht zu sein. Dafür meldet sich die Angst in vielen Situationen viel zu schnell. Ich habe gelernt mit ihr zu leben und mir dann eben mehr Sicherheit zu verschaffen.. Und ich war schon immer eine Kämpferin, also hat mich auch das nicht zum Aufgeben gebracht.


In den folgenden Jahren meinte es das Leben gut mit mir: Ich habe einen wundervollen Partner kennengelernt, bin mit ihm zusammengezogen, habe in meiner Wahlheimat gelebt und angefangen wieder hier und da ein bisschen die Fühler über meine Komfortzone hinaus auszustrecken, ganz vorsichtig. Die gesamte Grundsituation gab mir viel Sicherheit, die ich so dringend brauchte.

 

 


Aber Leben ist Wandel: Natürlich veränderte sich die Grundsituation auch bei uns. Mein Partner bekam die Möglichkeit, hier in NRW einen Job auszuüben für den er brennt und noch dazu in der Nähe seiner Familie zu sein die ihm viel bedeutet. Ich hingegen hatte in „meiner“ Stadt nichts festes was mich hält, also keine Familie, kein Job auf Anstellungs-Basis. Ich bin arbeitstechnisch ohnehin vom Ort her flexibel. Also war es für mich keine Frage, ihn hier zu unterstützen und die Entscheidung stand, dass wir zusammen umziehen werden.


Da mir meine Sicherheit aber so unendlich wichtig ist und ich mit einem Umzug einen großen Anteil daran abgeben müsste, nämlich: mein gesamtes soziales Umfeld inklusive Auffangnetz, Arbeitskontakten, Notfalltherapeuten und Ärzte, bekannte Umgebung, Wohnung, etc. pp, erbat ich mir 2-3 Jahre Zeit. Klingt verdammt lange, aber wenn all das wegfällt, muss mein inneres Sicherheitsgefühl einfach wieder erstarken, sonst gehe ich dabei drauf – das sah in diesem Moment glasklar.


Aber wie ich schon erwähnte – life is a bitch – Das letzte Jahr war geprägt von ungünstigen Ereignissen, Fehlkommunikation, Erwartungen, Druck etc. und eigentlich hat es meine Ängste nur verstärkt. Die meiste Zeit leben wir nun in einer Fernbeziehung und alle erwarten von mir, dass ich den Umzug schnell über die Bühne bringe. Meine „Erstarkungszeit“ habe ich zwangsweise längst wegrationalisiert.. Dabei bräuchte ich sie jetzt mehr denn je.

 

Und ICH.. ja, wo bleibe ich gerade eigentlich? Verstehen tut mich in meinem Umfeld natürlich keiner und ich kriege jedes Mal das kalte Grauen, wenn mich wieder jemand fragt, wann wir denn jetzt endlich richtig umziehen. Natürlich tun das alle, ständig, Tag für Tag, ohne Unterlass. Und ohne meine halbe Lebensgeschichte auszupacken, wird keiner verstehen, warum das für mich eben nicht so einfach ist.
Zu allem Überfluss sind mir mit dem ganzen Elend des letzten Jahres noch ein paar Leichen aus dem Keller gekrabbelt, um die ich mich dringend kümmern muss..

Aber was tun? Die Nürnberger Baustellen müssen dringend abgearbeitet werden und der Umzug kann auch nicht mehr so lange warten wie ich es bräuchte. Aber ich fühle mich Nullkommanull im Moment dazu in der Lage. Und an meinem Sicherheitsgefühl arbeiten mit den Tonnen Druck auf den Schultern? Eher nicht. Dazu in nahezu jedem einzelnen verdammten Lebensbereich auch zig aktuelle Baustellen, die bewerkstelligt werden wollen, unser zukünftiges Zuhause was viel Arbeit benötigt, meine Arbeit die irgendwie weiter gehen muss, mein Körper, der mich mit Warnsignalen seit Monaten nur so bombardiert und nicht zuletzt mein Partner, der mich unterstützt wo er nur kann, aber den ich so auch die meiste Zeit ein bisschen „hängen“ lasse.

Am liebsten würde ich gerade einfach nur aussteigen.. weg, auf eine Insel. Ich gebe zu, so viel Überforderung und Ängste etc. habe ich viele Jahre nicht mehr gehabt. Ich habe gute Strategien, wie ich trotzdem durch meinen Alltag komme und ich arbeite Tag für Tag an mir, damit es irgendwie weiter geht. Aber ich weiß genau, irgendwann folgt eine bitterböse Explosion, wenn ich nicht langsam einen Weg für mich finde. Und den kann nur ICH finden.

Vielleicht nehme ich mir wirklich ein bisschen Zeit zum aussteigen, 1-2 Wochen, einfach mal weg. Raus aus diesem Karussell, das sich so schnell dreht, dass ich schon ganz grün im Gesicht bin ;-).

Helfen kann mir gerade keiner, aber danke an die, die es gelesen haben! Vielleicht gibt es dazwischen ja auch jemanden, der mich verstehen kann. Ich musste es einfach mal loswerden. Normal werde ich hier nicht so persönlich, aber gerade hilft es mir, meine innere Explosion nochmal weiter zu verschieben.

Passenderweise werden im Moment auch meine Bilder irgendwie „stürmisch“:

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