Tag 31: Krank sein – eine Geduldsübung

Heute melde ich mich gleich nochmal aus dem Bett, diesmal aber leider aus anderen Gründen. 

Ich bin volle Kanne erkältet und dementsprechend unleidlich.

Könnt ihr „gut“ einfach mal krank sein? Ich kann es gar nicht. Ich bin dann extrem motzig und schimpfe die ganze Zeit vor mich hin. Dabei macht es das nicht gerade besser. Ich hasse mich auch selbst immer noch sehr dafür, wenn ich dann „leide“. Mir wurde beigebracht nicht groß zu jammern und Krankheiten waren geprägt von „ist doch nicht so schlimm“ „stell dich nicht so an“ und „alles Einbildung!“. Nun geht es mir aber manchmal einfach wirklich nicht gut und es lindert ja auch, wenn man sich darüber einfach mal „auskotzen“ kann. Aber daran hängt bei mir immer noch ganz arg der alte Klotz und ich kann damit nicht gut umgehen. Inzwischen habe ich gelernt, es trotzdem zwischendurch rauszulassen, aber ich tue mich damit immer noch sehr schwer. Es fühlt sich für mich einfach nach Jammerlappen an.

Das viel größere Problem für mich ist, dass diese alten Stimmen auch bei anderen Leuten lautstark los lamentieren. 

Wenn Freunde von mir jammern, sei es über Krankheiten und Schmerzen oder auch über andere Dinge, tönt die Stimme auch sofort „Sei nicht so ein Jammerlappen, stell Dich doch nicht so an! Machst aus ner Erkältung ne Krebserkrankung!“. Natürlich spreche ich das nicht aus und denke auch nicht wirklich so über diese Menschen, aber diese Stimme bringe ich nicht zum Schweigen, so tief sitzt sie. Und ich schäme mich für diese Gedanken jedesmal aufs neue. Ich möchte so nicht denken, über andere noch weniger als über mich. Zu mir selbst kann ich besser hart und gnadenlos sein, das kenn ich und damit kann ich umgehen. Aber nicht zu anderen.

Verbunden mit dieser Problematik habe ich unglaublich Probleme „gut“ krank zu sein. Ich mache mich dann die eine Hälfte der Zeit runter und die andere Hälfte der Zeit leide ich unter diesem Runtermachen und dem Kranksein ansich. Ein dummer Kreislauf.. Denn so wird aus Krankheiten und Schmerzen nur ein viel größeres Problem.

In Bezug auf Andere gelingt es mir inzwischen meist ganz gut, den Film zu stoppen, indem ich mir immer wieder vorbete, dass das Empfinden für jeden anders ist und es völlig in Ordnung ist, auchmal zu leiden und zu jammern.

Aber für mich selbst.. No way! Einerseits muss es raus, andererseits gibt es für jedes Jammern gleichzeitig den inneren Holzhammer. Eine dicke Baustelle, die noch viel Arbeit bedarf! 

Da ich mir jetzt wohl mal wieder einen richtig dicken Infekt eingefangen zu haben scheine, nehme ich es mal wieder als Lektion – wie kann ich besser mit mir umgehen? Darf es nicht auch für mich mal ok sein, mich schlecht zu fühlen und es auch zu äußern? Raus muss es doch sowieso, warum es also nicht als in Ordnung annehmen?

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