Tag 7: „Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben“

Eigentlich wollte ich heute nach der ersten Woche Schreiben ein kleines Fazit ziehen. Aber wie das Leben so spielt, manchmal schickt es einem einen anderen Impuls. Und so möchte ich Euch heute ein Buch vorstellen: „Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben“ von Matt Haig.

Als ich gestern wieder einmal auf der Suche nach Hörbüchern war (ich höre jeden Tag zum Einschlafen ein bisschen), bin ich über „Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben“ von Matt Haig gestolpert. Eigentlich brauche ich dafür keine Gründe mehr, aber der Titel hat mich doch neugierig genug gemacht, um es anzuklicken und mir die nähere Beschreibung und die Bewertungen anzusehen.
Kennt Ihr das, wenn Euch der Klappentext schon richtiggehend anschreit, dieses Buch zu kaufen? So ging es mir hier. Ich wusste gar nicht so genau warum, da ich mich mit dem Thema Depressionen aktiv nur noch wenig auseinandersetze, weil es mich häufig eher wieder herunterzieht.

Ein Buch zum verstehen und verstanden werden

Doch in diesem Fall war das anders. Ich hörte die ersten Sätze und habe mich vom ersten Moment an seit so langer Zeit einfach „verstanden“ gefühlt. Und ich glaube, das ist aktuell ein Gefühl, was ich sehr brauche. Ich bin zwar schon sehr lange nicht mehr in wirklich „akuten“ Problemen, aber man kann ja leider nicht sagen, dass man nicht immer mal wieder Episoden hat, in denen das eine oder andere nach vorne kommt. Und da ich aktuell in einer großen Umbruchsphase bin, die es aber auch erfordert, sich nochmal alten Geistern zu stellen, geht es mir oft nicht so gut.
Es ist nicht so, dass ich keine Menschen um mich habe, die versuchen mich zu verstehn, im Gegenteil. Jedoch ist es fast ein Ding der Unmöglichkeit, all dies einem Menschen begreiflich zu machen, der Depressionen und auch Angstzustände nicht kennt. So wohltuend ist es, wenn es dann jemand „in die richtigen Worte“ packt.

Matt Haig gelingt es vom ersten Moment an, die richtigen Worte zu finden. Alles was er schreibt und beschreibt – ja, genau so fühlte und teils fühlt es sich noch heute für mich an und ja, es tut so gut, sich damit nicht „alleine“ zu fühlen. Und trotz des schweren Themas ist das Buch sehr „leicht“ und auch unterhaltsam geschrieben. Es klingt fast irrsinnig, bei dieser Thematik von „unterhaltsam“ zu sprechen. Aber doch, ich empfinde es trotzdem genau so. Ich bin noch lange nicht beim Ende meiner Lektüre angekommen und möchte doch jetzt schon eine Empfehlung aussprechen.

Ich empfehle dieses Buch…

…jedem Betroffenen, der sich mit seiner Depression und seinen Ängsten manchmal alleine fühlt
…jedem akut Betroffenen, der nach Gründen für das „Weitermachen“ sucht
…jedem ehemals Betroffenen, der in seinem folgenden „normalen“ Leben manchmal nach Verständnis sucht
…jedem Angehörigen und Partner, der ein bisschen besser „verstehen“ möchte
…jedem, der grundsätzliches Interesse an diesem Thema hat

In mir bringt es gerade auch wieder einen wichtigen Punkt ins Rollen.. Ich benötige nach wie vor Menschen, die nachvollziehen können, warum es mir geht, wie es mir geht. Die verstehen, wie unfassbar schwer manche Dinge auch heute noch manchmal für mich sind. Denen ich nicht erzählen muss, warum ich an manchen Tagen auch heute immer noch lieber nicht am Leben wäre. Ich habe solche Kontakte schon einmal gesucht und ich werde sie wieder aufnehmen. Ich spüre deutlich, dass ich das in meinem Leben brauche, auch wenn diese Krankheiten nur noch sehr wenig Raum in meinem Leben einnehmen. Wenn ich mich nicht verstanden fühle, geht es mir schlechter und der Raum wird größer. Dies ist meine Erkenntnis des Tages.

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