Tag 2: Mach kein Drama draus!

„Mach kein Drama draus“ – ein Ausspruch, den ich als Kind relativ häufig gehört habe und den ich lange Zeit gehasst habe. Inzwischen habe ich einen anderen Blick darauf…

Immer wenn mir in meiner Kindheit gesagt wurde, ich solle doch kein Drama aus meinen Problemen machen, war ich einfach nur frustriert. Es bedeutete damals für mich nur eines: Ich werde eh nicht ernstgenommen, es ist egal dass es für mich schlimm ist, da es für meine Eltern eben nur ein Kinkerlitzchen ist. Dadurch war der Ausspruch für mich ganz schön verbrannt und negativ besetzt.

Inzwischen, nach vielen Jahren und einem ganz schön turbulenten Leben habe ich einen ganz anderen Blick darauf gewonnen. Nachdem momentan wieder relativ anstrengende Zeiten in unserem Leben vorherrschen, ploppt das Thema in meinem Kopf immer wieder hoch.

Heute bedeutet „kein Drama aus einer Situation machen“ für mich Folgendes:

Manche Situationen im Leben sind scheiße, keine Frage. Manchmal steht man auch vor Problemen, die einem Sorgen bereiten, Angst machen und einen einfach überfordern. Doch auch an diesem Punkt haben wir immer die Wahl wie wir damit umgehen.

Unser Kopf sorgt ganz oft dafür, dass es einer unserer ersten Impulse ist, sich direkt die schlimmstmöglichen Optionen auszumalen. Man möchte sich innerlich auf das Schlimmste vorbereiten, um dann nicht ganz so hilflos zu sein, wenn es wirklich so kommen sollte.
Das Problem an der Sache ist, dass wir in diesem Moment gefühlstechnisch bereits meist mitten im Drama sind. Wir stellen uns vor, was passieren könnte und dazu kommt dann die ganze Gefühlsarmada. Wir fühlen, was wir fühlen würden, wenn der dümmste Fall eintritt.

Merkt Ihr was? „Wenn der dümmste Fall eintritt“ – Er ist nicht eingetreten, es könnte nur theoretisch unter gewissen Umständen sein, dass dies in der Zukunft passiert. Ist es diese theoretische Option wirklich wert, sich jetzt schon von so viel Angst und anderen unangenehmen Gefühlen überschwemmen zu lassen? Ich finde nicht.

Damit möchte ich jetzt nicht sagen, dass es schlecht ist, sich gedanklich mit unterschiedlichen Entwicklungen zu beschäftigen. Im Gegenteil, gerade ich bin ein Mensch, der auch immer sämtliche Optionen in Betracht zieht. Umsicht ist mir wichtig und es gibt mir Sicherheit zu wissen, was alles passieren könnte. Aber ich weiß inzwischen, ab welchem Punkt es in inneres Drama ausartet und wo ich den Cut setzen muss.

Ein paar Tipps, wie ihr das Drama verhindern könnt:
  • Malt Euch mal die bestmögliche Option aus, statt immer nur die schlechten. Lasst Euch überraschen, was für andere Gefühle hier auftauchen
  • Neutrale Wahnehmung statt Drama: Wenn Euch eine mögliche Wendung Angst macht, stellt neutral fest „Ok, die Situation würde mir Angst machen“ und stoppt Euch sofort, wenn Ihr beginnt Euch in dieses Gefühl hineinzusteigern
  • „Verschiebt“ die Panik auf später (Beispiel: Ihr seid krank; malt Euch nicht direkt die tödlichste Krankheit aus, sondern sagt Euch, dass Ihr mit der Panik anfangen könnt, sobald Ihr schlechte Untersuchungsergebnisse bekommt)
  • Wenn Ihr Euch nicht kontrollieren könnt: Schreibt alles auf, was Euch durch den Kopf geht, ungefiltert, lasst es raus. Aber begrenzt die Dauer.
  • Falls Ihr Druck spürt, baut ihn aktiv ab: Treibt Sport, führt Entspannungstechniken durch, strickt – Sucht Euch irgendetwas, was den Druck abbaut und Euren Kopf beruhigt

Am Wichtigsten ist jedoch eine Sache: Überhaupt zu realisieren, ab wann man „ein Drama daraus macht“. Fragt Euch immer „Gehört mein aktuelles Gefühl zu der wirklichen aktuellen Situation oder bin ich innerlich schon bei einer theoretischen Version der Zukunft?“

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