Tag 1: Die Seinfeld Strategie und meine Challenge

Vor kurzem hab‘ ich einen Artikel über die Seinfeld Strategie gelesen. Wie vermutlich für viele meiner Generation ist Prokrastination auch für mich nen großes Thema. Wir sind so überschwemmt von Möglichkeiten und aber auch Arbeit, Aufgaben und Pflichten aller Art. Dies führt dazu, dass wir hin und wieder auch Dinge liegenlassen, bei denen wir das besser nicht täten; und lustigerweise auch Dinge, bei denen wir das eigentlich noch nicht einmal wollen.

Für die, die keine Lust haben, den Artikel selbst zu lesen:

Zusammengefasst geht es um Jerry Seinfelds Strategie, um mit seinen Vorhaben (bei ihm das Schreiben) und damit auch komplett im Leben voranzukommen. Dabei dreht es sich ganz schlicht und einfach nur um die Kontinuität, um das „Dranbleiben“.
Unser ganzes Leben dreht sich um Gewohnheiten. Haben sich Verhaltensweisen erst einmal zu einer Gewohnheit manifestiert, laufen sie wie automatisch. Da unser Hirn den Status Quo immer beibehalten will (never change a running system!), kostet uns das ab dann auch nicht mehr wirklich Energie. Doch wie kommen wir an den Punkt, dass neue Ideen, Pläne, Wünsche und Vorhaben auf diese Art und Weise zur Gewohnheit und zu einem Teil unseres Leben werden?

Seinfelds Taktik hierzu ist folgende:
  • Hänge Dir einen großen Wandkalender auf, den Du immer vor Augen hast
  • Leg einen Stift dazu
  • Führe Deine gewünschte Gewohnheit JEDEN TAG aus
  • Für jeden Tag, an dem Du es geschafft hast, mache ein dickes Kreuz in den Kalender
  • Nach einigen Tagen ergibt sich so eine Kette, die stetig länger wird
  • Unterbreche niemals die Kette!

Die Taktik ist denkbar einfach und doch so gut.
Wichtig ist hierbei natürlich, Dir realistische Vorhaben zu setzen. Es muss in Deinen Alltag gut zu integrieren sein, selbst wenn Du mal einen stressigen Tag hast, wenn du krank bist oder einfach mal alles doof ist. Du brauchst dann eine Option, trotzdem etwas zu tun, selbst wenn es nur was ganz Kleines ist.


Ein Beispiel dafür aus meinem Leben:

Ich wollte letztes Jahr unbedingt wieder anfangen Sport zu treiben. Ich war früher eine mega aktive Sportlerin und kannte nie etwas anderes als einen sportlichen Körper. Nun wissen alle, was kommt – Es kommt der Berufsalltag, es kommen harte Zeiten, es kommen Krisen, das Leben schlaucht einen.. und zack – wo war da nochmal der Sport? Bei den meisten ist das vermutlich eine der ersten Sachen, die wegfallen, so leider auch bei mir.
Anfangs macht man sich nicht so viele Gedanken darüber, der Körper ist ja nach wie vor ganz fit und alles läuft irgendwie.. Doch mit der Zeit kommt hier ein Zipperlein und da ein Zipperlein, dann die große Müdigkeit, alles ist viel anstrengender als früher, auch die Stimmung ist immer öfter mau..
Irgendwann war ich an dem Punkt angekommen, an dem es mir gereicht hat und ich beschlossen habe, dass ich wieder mit dem Sport anfange. Und diesmal nicht halbherzig 1-2mal die Woche, was eh nie zur Gewohnheit wird bei mir und nach ein paar Wochen ganz schnell wieder unter den Teppich gekehrt ist. Nein – diesmal wollte ich es richtig machen, ich kenne meinen Schweinehund inzwischen ja auch ganz gut (der dicke Kumpel).

Mein Plan:
  • Montag bis Samstag JEDEN Tag Sport
  • Dauer und Art je nach körperlicher Verfassung und sonstigem Pensum
  • Sonntag Ruhepause
  • egal wie schlecht es mir geht – ein bisschen geht immer, und wenn es nur 10 Minuten mit der Hantel oder eine kleine Runde Yoga ist
  • keine Ausreden!

Ich kann nur sagen… Die ersten Wochen waren nicht ganz so schön :D. Ich hatte trotz sanftem Start quasi dauerhaft Muskelkater und es hat sooooo absolut gar keinen Spass gemacht, weil mein Fitnesslevel natürlich unter aller Sau war. Teilweise hab ich hier rumgemotzt wie eine bockige Dreijährige, der man grad das Schäufelchen weggenommen hat. Aber ich bin dran geblieben – weniger wegen der Seinfeld Strategie. Diese kannte ich damals nämlich noch gar nicht, sondern viel mehr wegen meinem unnachahmlichen Sturkopf und meinem Stolz, der ein Scheitern hier einfach nicht akzeptiert hätte. Es war für mich schlichtweg keine Option aufzugeben, so bin ich einfach.

Nach 3-4 Wochen Durchhalten passierte das oben Beschriebene: Der tägliche Sport wurde zur Gewohnheit. Ich wäre gar nicht mehr auf die Idee gekommen, einen Tag nicht in meine Sportklamotten zu springen und mich irgendwie zu betätigen. Das hätte sich angefühlt, als hätte ich nicht geduscht – einfach falsch. Dazu kam dann natürlich auch noch, dass auch mein Körper sich an die Belastung gewöhnt hat und ich ihm mehr und mehr abverlangen konnte und damit auch der Spass begann. Ich wurde immer fitter und mein Körper hat sich auch wieder ein bisschen mehr in die Richtung bewegt, wie ich ihn mir wünsche..

Dann kam unser Sommerurlaub.. Die erste Woche hab‘ ich im Hotelzimmer immer noch morgens meine Übungen gemacht und in der zweiten dachte ich mir „ach, genieß doch den Urlaub, lass es einfach mal sein, machst zuhause einfach direkt wieder weiter“.
Ihr ahnt, was dann passiert ist? – Richtig, die Gewohnheit war durchbrochen und seitdem mach ich wieder nur ab und zu mal Sport, finde wundervolle Ausreden aller Art, verschiebe den erneuten Start immer wieder auf einen anderen Zeitpunkt etc. pp.
Ich kann dazu nur eines sagen: VERDAMMTE AXT!

Long story short: Ich weiß jetzt zumindest wie es geht xD

Das Sport-Thema wird demnächst auch wieder dran sein, noch suche ich aber weiterhin ein bisschen nach Ausreden, warum es jetzt noch nicht los geht.
Dafür widme ich mich jetzt 4-5 Wochen dem Schreiben. Ich habe früher so gerne und so viel geschrieben und es fehlt mir einfach, mich auf diese Weise mitzuteilen. Ich bin dabei auch echt ordentlich eingerostet. Flossen die Texte früher einfach in schnellstem Tempo aus mir heraus, so geht es im Moment eher noch zäh wie Teer und die Formulierungen gefallen mir danach dann trotzdem noch lange nicht. Aber es ist wie beim Sport – man muss schreiben, um das Schreiben eine Gewohnheit werden zu lassen und das Hirn wieder darin zu üben.
Deshalb meine persönliche Challenge: Ich habe mit mir selbst abgemacht, dass ich nun einfach jeden Tag hier an dieser Stelle (quasi mein Seinfeld-Kalender) etwas schreibe, was auch immer es sei. Erwartet keine Meisterleistungen und hochgeistigen Ergüsse ;-).

 

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